Alte Texte -Feuer und Flamme oder aber Romeo und Juia mal anders#Teil 1#- *02.08.2012*

Sie spürt den Wind in ihren Haaren und dreht den Kopf in die Richtung aus der er kommt. Schließt die Augen und lauscht der Nacht. Welche Ruhe hier oben herrscht. Sie sitzt oben auf dem Berg, zu Füßen die Stadt. Sie atmet tief ein und genießt die kühle Nachtluft auf ihrer Haut. Ihre Wangen brennen und obwohl es grade mal Februar ist, friert sie in dieser Nacht nicht. Sie hört den Wind durch die Bäume rauschen und ein Auto, das in der Ferne vorbei fährt. So friedlich ist die Nacht. Sie liebt den Ort hier oben. Von hier aus ist alles viel einfacherer. Die Probleme genauso klein wie die Häuser unten in der Stadt. Fast nicht zu erkennen. Hier oben in der Nacht, ist wie entfliehen aus dem Alltag. Oft war sie schon oben auf dem Berg, meistens noch ein Stück höher.
An dieser Stelle saß sie noch nie nachts. Obwohl sie schon so oft vorbeigegangen ist. Es scheint der perfekte Ort für diese Nacht zu sein. Sie hört wie er einen Schluck aus der Flasche trinkt und öffnet die Augen wieder. Unter ihr die vielen Lichter in der halb schlafenden Stadt. Traumhaft, denkt sie. Auch sie nimmt einen Schluck und schaut neben sich. Schaut ihn an. Wieso war er ihr nie so aufgefallen? Sie hat ihn früher niemals mit diesen Augen betrachtet. Er war für sie nie interessant. Naja, interessant schon, das muss sie sich eingestehen. Dieser Mann, der sie so wenig beachtet hatte in den letzten Jahren. Der Mann, den sie für oberflächig und arrogant gehalten hat. Und nun, innerhalb weniger Tage, denkt sie ganz anders über ihn. Er wirkt jetzt eher verletzlich. Sensibel. Er fasziniert sie. Sie weiß nicht genau was es ist, aber ihr ist klar, dass sie sich ihm nicht mehr entziehen kann. Seine Art, sein Lachen, sein Humor und nicht zu letzt diese verlegenen Blicke ziehen sie magisch an. Sie will mehr wissen. Aber sie weiß, dass sie aufpassen muss. Gefühle für ihn zu entwickeln ist genauso sinnlos, wie an einem Tag ohne Wolken auf Regen zu hoffen. Er ist vergeben, das weiß sie. Und auch wenn es nicht perfekt läuft bei den beiden, so sind sie doch fest verbunden. Wie konnte sie auch nur einen Gedanken daran verschwenden. Lächerlich denkt sie. Sein Blickt trifft ihren und mit einem Male sind da keine Gedanken mehr in ihrem Kopf. Dümmlich grinsend guckt sie ihn an. Seine Augen sehen ehrlich und offen aus. Auch seine Worte scheinen es zu sein. Er verbirgt nichts, redet offen über alles. Sie haben schon viel geredet in dieser Nacht. Über alles. Auch sie ist erstaunlich offen. Das Gefühl der Vertrautheit. Sie hat keine Angst er könnte sie falsch verstehen. Falsche Eindrücke haben. Sie weiß einfach, dass er sie versteht. Sie versteht ihn genauso.
Ihr Blick wandert zu seinen Lippen. Wie verführerisch sie aussehen. Unweigerlich denkt sie an ihren ersten Kuss mit diesen wundervollen Lippen. Sie hatten beide lange gezögert. Sie wussten, dass dieser Kuss Folgen haben würde. Stundenlang haben sie geredet, sind gelaufen und haben viel gelacht. Sie hat es nicht gewagt den ersten Schritt zu tun und er war unsicher. Das merkte sie. Sie wollte nichts in Gang bringen, was sie nicht mehr kontrollieren könnte. Aber sie wusste, dass ein Teil in ihrem Körper ihn da schon wollte. Kurz bevor sie los musste, fasste er sich ein Herz. Die Spannung war damals kaum auszuhalten. Es knisterte so stark und keiner der beiden, konnte sich dem entziehen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, so sagte mal ein berühmter Mann. Aber das war soviel mehr. Zumindest für sie. Sie konnte ihn nicht einschätzen, was das betraf. Natürlich spürte sie etwas, aber sie hatte große Angst vor der Enttäuschung, die doch unweigerlich eintreten muss. Als er ihren Blick bermerkt, lächelt er. Das reisst sie aus ihren Gedanken. Er kommt ihr näher und küsst sie. Aber das sind keine gewöhnlichen Küsse. Nein! Diese Küsse sind voller Leidenschaft, Verlangen, Zärtlichkeit, Sehnsucht, Vertrautheit, Neugierde... . Sie berühren sich erst zart, vorsichtig rantastend. Dann berühren sich ihre Zungen. Zärtlich. Immer wieder schauen sie sich dabei an. Verrückt. Ihr wird warm. Ein wohliges Kribbeln setzt in ihrer Bauchgegend ein und wandert nach unten. Sie knabbert zärtlich an seiner Lippe. Der Kuss wird etwas heftiger, leidenschaftlicher. Jedesmal wenn er sie küsst, berührt er sie dabei mit seiner Hand. Oft in den Haaren, im Gesicht oder am Hals. Es hat etwas so Zärtliches und Einfühlsames, dass sie gar nicht anders kann, als ihn immer wieder zu küssen. Auch wenn es nicht richtig ist. Nicht richtig. Es hallt in ihrem Kopf. Kann das denn nicht richtig sein. Nein. Alles was vorher richtig war muss falsch sein, denn das hier war so richtig wie nur wenige Dinge in ihrem Leben.
Just in diesem Moment meldet sich das Gewissen zu Wort. Ja, darauf war Verlass. Unpassend und mit voller Wucht trifft es sie. Sie ist nur eine Affäre, das sagt die kleine Stimme aus dem hinteren Winkel ihres Kopfes in dem die Vernunft sich verkriechen musste. Still jetzt, denkt sie. Nur noch diese eine Nacht. Sie hat soviel Lust auf mehr. Auf ihn. Ihr ganzer Körper verlangt danach. Möchte berührt werden, möchte geküsst werden. Und möchte ihn spüren.
 

30.1.16 11:37

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